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Published by Dr. Laura Dalhaus
5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel. Das Gesundheitssystem kollabiert und das hat Konsequenzen. Darüber spreche ich mit Menschen, um Ideen und Lösungswege zu entwickeln. Denn Politik hat leider in den letzten 20 Jahren bewiesen, dass sie es aus unterschiedlichen Gründen nicht kann. Wir starten einen Versuch. https://linktr.ee/LauraDalhaus
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Wie kommt ein Krankenhaus eigentlich an sein Geld? Ein Teil der Antwort heißt Medizin-Controlling. Medizin-Controller:innen beschäftigen sich mit der Verschlüsselung von Leistungen, machen sie damit abrechenbar – und landen regelmäßig in Auseinandersetzungen mit Krankenkassen und dem Medizinischen Dienst. Ein Thema, über das sich Dr. Laura Dalhaus immer wieder ordentlich echauffiert. Deshalb hat sie Martin Sonntag, selbst Medizin-Controller, zu „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ eingeladen. Im Krankenhaus dreht sich bei der Abrechnung vor allem alles um zwei Bereiche: die DRG-Abrechnung und die Abrechnung der Fachabteilung der Psychiatrie. Klingt technisch. Ist es auch. Medizin-Controlling kann man sogar studieren. Denn Medizin ist eben nicht schwarz oder weiß – und bei der Frage, was wie abgerechnet werden darf, gehen die Vorstellungen durchaus auseinander. Martins Hauptaufgabe besteht darin, Gutachten zu prüfen und Widersprüche zu verfassen. Aktuell gibt es rund 1,3 Millionen Krankenhaus-Abrechnungsprüfungen durch den Medizinischen Dienst. Durch das GKV-Spargesetz könnten es künftig rund zwei Millionen mehr werden. Derzeit liegt die Prüfquote bei 10 Prozent. Damit landet jede zehnte Krankenhausrechnung beim Medizinischen Dienst. Etwa die Hälfte der geprüften Rechnungen wird negativ beanstandet. Und wenn es anschließend vor Gericht geht, braucht niemand mit einer schnellen Entscheidung zu rechnen. Ein Klageverfahren kann allein in der ersten Instanz gut fünf Jahre dauern. Bis ein Urteil vorliegt, sind die betroffenen Patient:innen häufig schon neun oder zehn Jahre aus dem Krankenhaus entlassen. Nur geht die Rechnung dabei nicht wirklich auf: Betrachtet man allein die Zahlen, bringen die Prüfungen weniger ein, als die damit verbundenen Kosten eigentlich rechtfertigen würden. Durch die Rechnungskürzungen erhofft sich der Gesetzgeber Einsparungen von 1 bis 1,6 Milliarden Euro. Welche zusätzlichen Verwaltungskosten die veränderten Prüfquoten verursachen, scheint für die Politik dabei keine entscheidende Rolle zu spielen. Besonders absurd wird es an einem anderen Punkt: Menschen, die heute Jobs wie Martin machen, kommen ursprünglich häufig aus der Patient:innenversorgung. Gleichzeitig soll dieser Bereich weiter ausgebaut werden – und damit fehlen genau diese Fachkräfte an anderer Stelle in der Versorgung. Natürlich landet auch die Dokumentation wieder auf dem Tisch. Der MD hinterfragt regelmäßig, ob das Dokumentierte tatsächlich stimmt. Teilweise entsteht dabei der Eindruck, dass der Nachweis über die geleistete Arbeit wichtiger geworden ist als die eigentliche Arbeit mit und an Patient:innen. Laura kritisiert außerdem, dass der Facharztstandard beim Medizinischen Dienst nicht immer eindeutig ist und auch nicht in jedem Fall zu den zu prüfenden Fällen passt. Dahinter steckt eine Misstrauenskultur: Der MD geht davon aus, dass Controller:innen zusammensitzen und überlegen könnten, wie sich Krankenkassen bei der Abrechnung austricksen lassen. Auch bei der geplanten Verringerung der Zahl der Krankenkassen sieht Laura ein Problem. Gerade kleinere Krankenkassen, die sehr gute Arbeit leisten, könnten dabei verschwinden. Gleichzeitig braucht es keine 93 Krankenkassen. Bei all den Prüfquoten, Gutachten, Widersprüchen und Abrechnungen gerät ein Punkt erstaunlich schnell aus dem Blick: die Patient:innenbehandlung. Denn hinter jedem Fall, über den entschieden und gestritten wird, steht ein Mensch. Martin rechnet im kommenden Jahr mit noch mehr MD-Prüfungen und noch mehr negativen Gutachten. Ein ziemlich ernüchternder Ausblick. Die beiden wollen deshalb noch einmal miteinander sprechen, sobald das neue Jahr läuft – und dann schauen, was die Veränderungen für den Alltag im Medizin-Controlling tatsächlich bedeuten. Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Eine Berufsgruppe hat bei „5 Minus“ bislang komplett gefehlt: Apotheker:innen. Nachdem Laura Dalhaus' Aussage zum Impfen in Apotheken ordentlich Diskussionsstoff geliefert hat, ist diesmal Leon Preschel zu Gast – Apotheker und damit direkt mittendrin in einer Versorgung, die politisch immer weiter umgebaut wird. Sein Urteil zur Gesundheitspolitik fällt in vielen Punkten negativ aus. Bei der Apothekenreform und der Erweiterung der Kompetenzen sieht er allerdings auch Chancen. Los geht es mit einem Thema, das schon vorher für Reibung gesorgt hat: Impfen in Apotheken. Laura erklärt, wie Impfungen in Hausarztpraxen vergütet werden und warum Regresse dabei weiterhin ein reales Risiko sind. Dabei wäre das Ziel eigentlich simpel: Die Impfquote soll steigen. Danach geht es um POC, also Point of Care-Diagnostik. Apotheker:innen sollen damit Werte wie Vitamin D oder B12 unkompliziert bestimmen können. Leon beschreibt, dass Patient:innen teilweise schon daran scheitern, überhaupt Ärzt:innen zu finden. Apotheken könnten deshalb einen Teil dieser Versorgungslücke auffangen. Aber Versorgung funktioniert nicht im Alleingang. Deshalb sprechen die beiden auch über die Zusammenarbeit zwischen Apotheken und Praxen. Leon wünscht sich dafür einen funktionierenden technischen Kommunikationsweg. Außerdem erklärt er, was bei einer Medikationsanalyse passiert. Denn in der Realität läuft es eben nicht immer sauber zusammen: Ein:e Fachärzt:in empfiehlt das eine Medikament, ein:e andere:r das nächste – und am Ende passen die Präparate womöglich gar nicht zusammen. Auch bei Originalpräparaten und Generika steckt einiges an Sprengstoff drin, vor allem finanziell. Leon spricht außerdem über Import-Arzneimittel und die Unterschiede zu hier vertriebenen Arzneimitteln. Wirkungen und Nebenwirkungen können sich unterscheiden. Deshalb schaut er genau auf die einzelnen Patient:innen und mögliche Wechselwirkungen. Und dann geht es an ein größeres Thema: Wie blickt ein Pharmazeut eigentlich auf die Pharmaindustrie? Und was ist von Tino Sorges Aussage zu halten, die Gesundheitsversorgung sei für den Pharmastandort Deutschland verantwortlich? Leon trennt hier klar zwischen forschenden Pharmaunternehmen und Generika-Herstellern. Für ihn ist entscheidend, dass Produktionsstätten für Medikamente in Europa bleiben und nicht weiter nach Asien und in andere Regionen ausgelagert werden. Laura bringt anschließend das Dispensierrecht auf den Tisch, besonders mit Blick auf den Notdienst. Die Situation kennt sie aus der eigenen Praxis: Sie fährt im Notdienst zu einer Person, verschreibt ein Medikament – und danach darf die Person erst einmal herausfinden, wo überhaupt eine Notapotheke geöffnet hat. Leon hat Ideen für eine andere Organisation des Apotheken-Notdienstes. Das Dispensierrecht selbst sieht er jedoch kritisch. Laura macht deutlich: Gerade in kritischen und akuten Situationen braucht es die Zusammenarbeit von Apotheken und Praxen vor Ort. Genau dann zählt nicht irgendeine Versandstruktur, sondern eine funktionierende Versorgung direkt vor Ort. Auch Leon sieht insbesondere ausländische Versandapotheken kritisch. Für ihn sind sie eher Logistikunternehmen als echte Versorgungsstrukturen. Und am Ende bleibt ein Punkt, der sich nicht schönreden lässt: Die Politik darf die Rahmenbedingungen dieser Berufe nicht weiter kaputtmachen. Fachkräftemangel gibt es längst, Apotheken verschwinden und immer weniger Menschen ziehen Medizin überhaupt noch als Beruf in Betracht. Leon auf Instagram und TikTok : @leon.pharmazie Leon’s Onlineshop: www.leon-pharmazie.shop Foto von Leon: Wort & Bild Verlag / Andreas Müller Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Die ambulante Versorgung steht massiv unter Druck – und das betrifft auch die Gynäkologie. Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Dr. Esther Scherrenbacher. Für Esther ist derzeit völlig offen, wie viele Schwangere sie 2027 noch in ihrer Praxis betreuen kann. Grund dafür sind die Auswirkungen des GKV-Spargesetzes. Als Gynäkologin macht sie diese Unsicherheit betroffen, denn bislang war es selbstverständlich, Schwangere zuverlässig versorgen zu können. Laura kritisiert außerdem einen Widerspruch im System: Krankenkassen erinnern Patient:innen an Präventionsangebote – teilweise sogar dann, wenn diese Untersuchungen gerade erst stattgefunden haben. Hintergrund ist, dass die Kassen verpflichtet sind, bestimmte Mittel für Prävention einzusetzen. Gleichzeitig werden jedoch Leistungen wie die gynäkologische Krebsvorsorge und die Betreuung von Schwangeren budgetiert. Eine klassische Warteliste führt Esther inzwischen nicht mehr. Der organisatorische Aufwand dafür war für ihre MFAs schlicht zu groß. Stattdessen arbeitet sie erfolgreich mit kurzfristig verfügbaren Last-Minute-Terminen. Ihre offene Sprechstunde wird sie mit Blick auf 2027 allerdings neu strukturieren müssen. Auch Laura hat in ihrer Praxis bereits verschiedene Konsequenzstufen eingeführt. Viele Leistungen aus ihren Zusatzqualifikationen hat sie bisher ohne zusätzliche Berechnung angeboten. Im kommenden Jahr wird das so voraussichtlich nicht mehr möglich sein. Leistungen aus Bereichen wie Sportmedizin, manueller Therapie oder Ernährungsmedizin wird sie dann häufiger als IGEL-Leistungen abrechnen müssen. Zusätzlich kompliziert wird die Situation dadurch, dass ein und dieselbe Leistung nicht einmal gesetzlich und ein anderes Mal privat abgerechnet werden darf. Berufsrechtlich ist genau das untersagt. Auch bei der Mammographie zeigt sich für die beiden Ärztinnen ein Widerspruch: Die Leistung wurde budgetiert, während gleichzeitig der Kreis der Patientinnen erweitert wurde, die einen Anspruch darauf haben. Esther stammt selbst aus einer Familie von Gynäkologen und ist mit großer Leidenschaft Ärztin. Trotzdem sorgen die aktuellen Rahmenbedingungen bei ihr zunehmend für Unruhe. Ein weiteres Thema sind mögliche Regresse. So kann Esther beispielsweise in der Schwangerschaft nicht ohne Weiteres eine TSH-Bestimmung durchführen, obwohl diese Untersuchung die Versorgung in bestimmten Situationen deutlich vereinfachen könnte. Laura macht deutlich, dass ein funktionierendes Gesundheitssystem auch eine demokratische Bedeutung hat. Gerade angesichts der aktuellen politischen Lage ist es besonders wichtig, eine stabile und verlässliche Gesundheitsversorgung zu sichern. Umso wichtiger ist für beide Ärztinnen der Austausch mit Kolleg:innen. Laura beobachtet inzwischen eine Art zunehmenden Widerstand innerhalb der Ärzteschaft gegenüber politischen Entscheidungen. Die Möglichkeiten, darauf aufmerksam zu machen, sind allerdings begrenzt – streiken dürfen Ärzt beispielsweise nicht ohne Weiteres. Viele Patient wissen bislang kaum, welche Veränderungen 2027 auf sie zukommen könnten. Entsprechend groß dürfte bei einigen die Überraschung sein, wenn bestimmte Angebote künftig nicht mehr im bisherigen Umfang verfügbar sind. Von Herrn Linnemann wünscht sich Esther vor allem eine Entbudgetierung der ambulanten Versorgung. Hinzu kommen für sie der dringend notwendige Abbau von Bürokratie, eine konsequentere Digitalisierung und mehr Wertschätzung für die Arbeit der niedergelassenen Ärzt:innen seitens der Politik. Laura kritisiert, dass die Bedeutung der ambulanten Ärzteschaft für das Funktionieren des gesamten staatlichen Systems politisch offenbar unterschätzt werde. Viele Aufgaben und Bescheinigungen, die heute in den Praxen erledigt werden, könnten nicht einfach auf den stationären Bereich übertragen werden – insbesondere dann nicht, wenn dort zusätzlich umfangreiche Papierstapel bearbeitet werden müssten. Zum Abschluss geht es außerdem um § 218. Beim Deutschen Ärztetag 2025 hat sich Laura intensiv dafür eingesetzt, dass sich die Ärzteschaft geschlossen gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen positioniert. Eine einheitliche Haltung innerhalb der Gynäkologie nimmt sie in dieser Frage bislang jedoch nicht wahr. Zum Instagram-Profil von Esther: https://www.instagram.com/dr.scherrenbacher Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Wir alle werden älter – und damit wächst auch die Zahl der Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Ohne Pflege wird das nicht funktionieren. Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Christine Vogler, Vorsitzende des Deutschen Pflegerats. In Deutschland kommen 1,7 Millionen Pflegende auf 6 Millionen Pflegebedürftige allein in der ambulanten Versorgung. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird der Bedarf in den kommenden fünf bis zehn Jahren massiv steigen. Damit nähert sich das System einem Kipppunkt: Wie lange können wir die notwendige Versorgung unter den aktuellen Bedingungen überhaupt noch finanzieren und sicherstellen? Ein großer Teil des Problems ist die Bürokratie. Zwischen 20 und 30 Prozent der Arbeitszeit entfallen auf Dokumentation. Gleichzeitig sorgen zahlreiche Prüfmechanismen dafür, dass nahezu jeder Schritt nachgewiesen werden muss. Der Deutsche Pflegerat setzt sich deshalb dafür ein, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern, statt die Belastungen weiter zu erhöhen. Laura erlebt die Auswirkungen der Bürokratie regelmäßig im Altenheim. Besonders der Medizinische Dienst bringt sie auf die Palme, wenn für jede mögliche Eventualität eine zusätzliche schriftliche Anordnung verlangt wird. Für Christine beginnt der Irrsinn bereits bei den unterschiedlichen Zuständigkeiten und Finanzierungssystemen. Ein Toilettenstuhl wird beispielsweise mal von der Pflegekasse und mal von der Krankenkasse bezahlt – abhängig von der jeweiligen Situation der pflegebedürftigen Person. Durch das neue GKV-Stabilisierungsgesetz wurde zudem ein großer Teil dessen zunichte gemacht, was zuvor auf politischer Ebene durch die Deutsche Krankenhausgesellschaft und verdi erarbeitet worden war. Laura sieht noch ein weiteres strukturelles Problem: Health Care Professionals bringen häufig ein besonders ausgeprägtes Verantwortungsgefühl mit. Die Kolleg:innen im Stich zu lassen, kommt für viele schlicht nicht infrage – selbst wenn die eigene Belastungsgrenze längst erreicht ist. Gleichzeitig unterscheidet sich die Pflege in Deutschland deutlich von anderen Ländern, in denen sie als Studium organisiert ist. Die Pflegeausbildung ist hochkomplex und umfasst zahlreiche Bereiche – von Gyn über Kinder und Psychiatrie bis hin zur Altenpflege. Für Laura ist deshalb völlig unverständlich, warum diese gut ausgebildeten Fachkräfte nicht deutlich mehr Verantwortung übernehmen dürfen. Eine Pflegeverordnung kann eine erfahrene Pflegekraft in vielen Fällen besser beurteilen als ein:e Ärzt:in. Auch Christine sieht großes Potenzial in der interprofessionellen Zusammenarbeit: Jeder Beruf sollte seine tatsächlichen Kompetenzbereiche auch ausleben dürfen. Die beiden sprechen außerdem darüber, dass identische oder vergleichbare Leistungen unterschiedlich vergütet werden – abhängig davon, wer sie erbringt. Ein Beispiel ist das Impfen, das in der Hausarztpraxis budgetiert ist. Gleichzeitig macht Laura die Vorstellung wütend, dass das Gesundheitssystem auch noch Verantwortung für den Pharmastandort Deutschland übernehmen soll. Währenddessen müssen Pflegekräfte dokumentieren, ob sie einer pflegebedürftigen Person die Haare gekämmt haben. Wie soll das zusammenpassen? Auch bei medizinischen Tätigkeiten gibt es Grenzen, die Laura und Christine hinterfragen. Aufgaben wie Drainagen, Blut abnehmen oder Zugänge legen könnten teilweise von Pflegekräften übernommen werden, dürfen aber nur von Ärzt:innen durchgeführt werden. Statt Versorgung zu erleichtern, stehen solche Strukturen einer guten Patientenversorgung mitunter sogar im Weg. Doch wie sieht es auf politischer Ebene aus? Christine arbeitet als Präsidentin des Deutschen Pflegerats ehrenamtlich. In Deutschland gibt es lediglich zwei Kammern, auf Bundesebene fehlt es jedoch an einer klaren Aufgabenübertragung an die Pflege. Auch zentrale Stellen oder eine Pflegeberichterstattung existieren nicht. Für eine vernünftige Planung der Gesundheitsversorgung ist das aus ihrer Sicht eine Katastrophe. Hinzu kommt die aktuelle Diskussion um Kürzungen bei den Pflegegraden. Auch soziale Ungerechtigkeiten werden dadurch verschärft, dass keine Rentenpunkte mehr gesammelt werden sollen, wenn Menschen ihre Angehörigen pflegen. Laura würde sich stattdessen ein deutlich einfacheres Prinzip wünschen: Behandelt werden sollte das, was tatsächlich behandelt werden muss. Ein Kernproblem bleibt für sie der Medizinische Dienst und die damit verbundene Bürokratie. Das Misstrauen gegenüber Health Care Professionals ist enorm, während bestehende Verwaltungsstrukturen behandelt werden, als wären sie „gottgegeben“. Ähnliches erlebt sie bei den Krankenkassen: Statt Versorgung einfacher zu machen, wird nach Fehlern bei Ärzt:innen gesucht, um Leistungen am Ende nicht bezahlen zu müssen. Zur Website vom Deutschen Pflegerat: https://deutscher-pflegerat.de/ Zum Deutschen Pflegerat auf Instagram: https://www.instagram.com/deutscher_pflegerat/ Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Die Chirurgie liegt Dr. Laura Dalhaus besonders am Herzen. Umso mehr freut sie sich, in dieser Folge von "5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel" gleich zwei Chirurginnen zu Gast zu haben: Gaby Sbrisny, niedergelassene Allgemeinchirurgin und Gefäßchirurgin, und Paula Beck, Traumatologin und Allgemeinchirurgin vom Verein „Die Chirurginnen“. Paula macht deutlich, dass es in der Chirurgie lange dauert, bis man wirklich selbstständig arbeiten kann. Gerade am Anfang ist es entscheidend, erfahrene Kolleg:innen an der Seite zu haben, die einen anleiten und unterstützen. Eigentlich müsste die Ausbildung deshalb von Beginn an fest in den Klinikalltag integriert sein. In der deutschen Gesundheitsversorgung läuft Aus- und Weiterbildung jedoch häufig eher nebenher und wird irgendwie zusätzlich zum normalen Betrieb mitgemacht. Dass es anders gehen kann, zeigt die Schweiz: Dort erhalten Krankenhäuser Geld für Weiterbildungsassistent:innen und Ausbildungszeit wird innerhalb der regulären Arbeitszeit ermöglicht. Auch Gaby sieht deutliche Lücken in der chirurgischen Ausbildung. Gerade die vermeintlich „popelige“ Chirurgie wird im Krankenhaus häufig kaum noch vermittelt – beispielsweise die Behandlung von Lipomen oder eingewachsenen Zehennägeln. Laura beobachtet mit Sorge, dass dadurch echte ärztliche Kunst zunehmend verloren geht, während Checklisten-Medizin immer stärker in den Vordergrund rückt. Aus ihrer eigenen Zeit in der Chirurgie kennt Laura auch die Selbstzweifel, wenn ein Eingriff nicht so läuft wie geplant. Für Paula gehört genau diese Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln zum Beruf. Komplikationen lassen sich nicht vollständig verhindern – entscheidend ist, wie man damit umgeht. Wer sich irgendwann gar keine Gedanken mehr darüber macht, sollte ihrer Meinung nach überlegen, ob die Chirurgie noch der richtige Beruf ist. Laura bringt außerdem eine Studie ins Gespräch, nach der Frauen in der Chirurgie bessere Ergebnisse erzielen als Männer. Gemeinsam diskutieren die drei darüber, welche Rolle das Geschlecht tatsächlich spielt. Ein Faktor könnte die Kommunikation sein: So zeigen sich bessere Ergebnisse, wenn Frauen von Frauen operiert werden. Gleichzeitig gibt es weiterhin Se*ismus-Vorwürfe und Berichte darüber, dass berufliche Karrieren von Frauen aktiv behindert werden. Paula beobachtet darüber hinaus Unterschiede in der Art und Weise, wie gearbeitet wird. Genau deshalb ist der Verein „Die Chirurginnen“ so wichtig. Er schafft Vorbilder und zeigt jungen Frauen, welche unterschiedlichen Karrierewege ihnen innerhalb der Chirurgie offenstehen. Denn auch die Chirurgie kämpft längst mit einem Nachwuchsproblem – genau wie viele andere medizinische Fachrichtungen. In der Berufspolitik ist inzwischen angekommen, wie wichtig es ist, junge Ärzt:innen frühzeitig einzubinden. Laura erlebt allerdings immer wieder, dass sich PJler nach einem Tertial in der Chirurgie bewusst gegen das Fach entscheiden. Eine weitere Herausforderung ist die enorme Menge an praktischer Erfahrung, die notwendig ist, um eine gute Chirurgin oder ein guter Chirurg zu werden. Laura selbst hat immer gerne und viel gearbeitet. Die erforderlichen Stunden im OP vergleicht sie mit einem hochkomplexen Sport oder dem Erlernen eines Instruments: Eine halbe Stunde Training pro Woche reicht schlicht nicht aus, um wirklich gut zu werden. Genau darin liegt jedoch auch ein großes Problem. Die notwendige Arbeitsbelastung und der hohe Anspruch führen gleichzeitig dazu, dass viele Menschen ausbrennen. Zum Abschluss richten Laura, Gaby und Paula den Blick auf die Gesundheitspolitik. Die drei diskutieren über den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann und darüber, welche Wünsche und Erwartungen sie als Ärztinnen an ihn haben. Zum Verein: https://chirurginnen.com/ Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Plötzlich gibt es einen neuen Gesundheitsminister – und der sagt selbst, dass er sich für die Aufgabe noch nicht ausreichend vorbereitet fühlt und mehr Zeit zur Einarbeitung braucht. Dr. Laura Dalhaus nimmt ihn beim Wort und liefert direkt ein paar Gedankenanstöße. Diese Folge richtet sich deshalb ganz konkret an Herrn Linnemann: mit Aufgaben, To Dos und einigen Pitfalls, die er in der Gesundheitspolitik besser auf dem Schirm haben sollte. Laura startet mit einem Artikel von Prof. Dr. Jürgen Windeler über die Erkenntnisse des GKV-Spitzenverbands zur datengestützten Erkennung individueller Gesundheitsrisiken. Das Ergebnis ist eher ernüchternd: Den dazu verschickten Brief haben gerade einmal 10% der Angeschriebenen gelesen. Zum GeDIG hat Laura bereits eine eigene Folge gemacht. Jetzt geht es unter anderem um die Techniker Krankenkasse und Jens Baas. Laura sieht hier eine Entwicklung weg von der patientenzentrierten medizinischen Versorgung hin zu einer verwaltungszentrierten medizinischen Versorgung. Im Raum steht eine verpflichtende digitale Ersteinschätzung durch die Krankenkassen. Für Laura ist die Grenze klar: An dieser Stelle haben Krankenkassen nichts zu suchen. Damit landet sie direkt beim Primärarztsystem. Dazu gibt es eindeutige Positionen vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband, der Bundesärztekammer und der AOK. Vergleichbare Systeme kennen wir aus anderen Ländern und aus der HZV. Die Steuerung der medizinischen Versorgung ist für Laura aber keine Aufgabe der Krankenkassen. Auch die DEGAM hat eine klare Position formuliert: Eine Vergütungsreform ist Voraussetzung für eine Strukturreform. Warum das entscheidend ist, zeigt Laura am Mammografie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen zwischen 50 und 75 Jahren. Dieses soll wieder ins Budget zurückgeführt und damit nicht mehr extra-budgetär vergütet werden. Dadurch wird die Zahl der möglichen Untersuchungen begrenzt – während gleichzeitig die Altersgruppe ausgeweitet wird. Deshalb Lauras nächste Aufgabe für Herrn Linnemann: Bitte einmal genau die Abrechnungssystematik des EBM erklären lassen! Wie unmittelbar gesundheitspolitische Entscheidungen die Versorgung treffen, zeigt sich längst vor Ort. Im Kreis Herford fordert ein SPD-Politiker die Rückkehr des kinderärztlichen Notdiensts, weil die aktuelle Situation zulasten der Familien geht. Für Laura ist klar: Gesundheitspolitik hat Konsequenzen – und Herford ist kein Einzelfall. In Kreuztal gibt es keine Gynäkolog:innen mehr. Gleichzeitig wird die gynäkologische Abteilung in Schwalmstedt geschlossen, weil sie sich wirtschaftlich nicht mehr rentiert. Dann wäre da noch ein weiterer mächtiger Player: die Pharma-Branche. Sie erhöht den Druck und droht damit, bei zunehmendem Preisdruck den Standort zu verlassen. Auch bei den Psychotherapeut:innen eskaliert der Konflikt. Sie rechnen mit der TK ab und wandern ab. In einem offenen Brief werfen sie der Krankenkasse vor, den direkten Zugang zur Psychotherapie verhindern zu wollen. Lauras Fazit fällt entsprechend deutlich aus: Wir haben eine Gesellschaft, die immer älter wird und gleichzeitig mit mehr Krankheiten lebt. Prävention wird massiv ausgebremst und selbst der Return on Invest der Psychotherapie von 3,80 Euro findet politisch kaum Beachtung. Gleichzeitig wachsen die Existenzsorgen in der Ärzteschaft. Immer mehr Ärzt:innen denken über Alternativen zur bisherigen Versorgung nach. Fachgruppenübergreifend wird eine Reduktion der Kassensprechstunde auf 25 Stunden vorbereitet. Für Laura führt dieser Weg langfristig in Richtung eines amerikanischen Gesundheitssystems. Zum Schluss wünscht sie Herrn Linnemann gutes Gelingen. Ihre Hoffnung: weniger theoretische Konstrukte, mehr „einfach mal machen“ – und vor allem endlich den Stimmen derjenigen zuhören, die jeden Tag die Versorgung sicherstellen. Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Dr. Laura Dalhaus wird häufig vorgeworfen, Fachärzt:innen zu hart zu kritisieren. Genau deshalb hat sie sich für diese Folge Unterstützung aus der Orthopädie geholt: Mario Werner. Die Aufnahme findet an einem Tag statt, an dem gleich zwei gesundheitspolitische Entscheidungen für Diskussionen sorgen – die Abschaffung der telefonischen AU und die Ankündigung einer Termingarantie für Fachärzt:innen durch den Bundeskanzler. Für Mario steht fest: Das GKV-Spargesetz wird die ambulante Versorgung massiv belasten. Schon heute sei es für viele Praxen kaum noch möglich, wirtschaftlich zu arbeiten. Dabei beschäftigt der ambulante Sektor mehr Menschen als die Pharmaindustrie – ein Umstand, der in der politischen Debatte aus seiner Sicht viel zu wenig Beachtung findet. In der Orthopädie beträgt die Grundpauschale rund 25 Euro. Dafür sollen eine qualifizierte Beratung, Untersuchung und Behandlung innerhalb eines Unternehmens mit Mitarbeitenden erbracht werden. Unter diesen Bedingungen lässt sich wirtschaftlich nur ein sehr begrenztes Zeitfenster pro Patient:in darstellen. Mehrere Beschwerden in einer Sprechstunde zu behandeln, scheitert häufig schon an den Vorgaben des WANZ-Prinzips. Mario sieht darin vor allem ein Informationsproblem. Vielen Entscheidungsträgern sei nicht bewusst, unter welchen Rahmenbedingungen ambulante Medizin tatsächlich stattfindet. Laura beobachtet außerdem, dass die konservative Orthopädie immer weiter an Bedeutung verliert. Gemeinsam nehmen die beiden dafür die Versorgung einer Handgelenksfraktur als Beispiel. Für ein Röntgenbild erhalten Orthopäd:innen lediglich etwa 12 Euro – unabhängig davon, dass vor einer Operation, danach und während der Heilungsphase mehrfach geröntgt werden muss. Zusätzliche extrabudgetäre Vergütungen über den Hausarztvermittlungsfall fallen mit dem GKV-Spargesetz ebenfalls weg. Auch notwendige Investitionen lassen sich kaum finanzieren. Ein hochwertiges Ultraschallgerät kostet rund 40.000 Euro und kann über die Vergütung der gesetzlichen Krankenversicherung praktisch nicht refinanziert werden. Für Laura und Mario ist das Ausdruck einer strukturellen Unterfinanzierung. Gleichzeitig fordert die Politik immer mehr Ambulantisierung. Aus ihrer Sicht passt das schlicht nicht zusammen und ist das Ergebnis jahrelanger gesundheitspolitischer Fehlentscheidungen. Mario hat sich bewusst für seinen Beruf entschieden und zusätzlich die Fortbildung Chirotherapie absolviert. Vergütet wird diese Leistung jedoch lediglich mit fünf bis sechs Euro – deutlich zu wenig, um den Aufwand der Weiterbildung oder die notwendige Behandlungszeit abzubilden. Vor allem fehlt ihm die Möglichkeit, Patient:innen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie eigentlich benötigen. Laura macht deutlich, welche Folgen dieser Zeitdruck hat. Sie befürchtet, dass sich gesundheitliche Versorgung künftig immer stärker am Geldbeutel orientiert. Für sie bestätigt sich damit erneut: Armut macht krank – und Krankheit macht arm. Mit gesetzlich versicherten Patient:innen lassen sich häufig gerade einmal die laufenden Kosten einer Praxis decken. Das Einkommen der Praxisinhaber:innen wird vielfach erst durch Privatpatient:innen erwirtschaftet. Gleichzeitig tragen Selbstständige sämtliche wirtschaftlichen Risiken – von Krankheit bis zum Praxisausfall – selbst. Für beide ist klar: Eine stabile Gesundheitsversorgung ist eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren eines Landes. Ein weiterer Dauerbrenner ist die Bürokratie. Sie bindet inzwischen so viele Ressourcen, dass in Lauras Praxis regelmäßig eine ärztliche Kraft einen kompletten Tag ausschließlich für Formulare, Anträge und Dokumentation einplant. Laura ist überzeugt, dass die Stimmung in der Ärzteschaft deutlich besser wäre, wenn die Politik medizinische Expertise ernster nehmen würde. Schließlich investieren viele Ärzt:innen rund zwölf Jahre in ihre Aus- und Weiterbildung, bevor sie als Fachärzt:innen tätig sein können. Auch Mario sieht Herausforderungen außerhalb der Politik. Viele Patient:innen unterschätzen, wie eng der Handlungsspielraum von Ärzt:innen inzwischen durch gesetzliche und wirtschaftliche Vorgaben geworden ist. Besonders kritisch bewertet Laura die angekündigte Termingarantie. Für sie gehört die Gestaltung des Terminkalenders zur unternehmerischen Freiheit und damit zur ärztlichen Selbstständigkeit. Gleichzeitig entsteht bei ihr der Eindruck, dass die Interessen großer Lobbys – etwa der Lebensmittelindustrie oder der Pharmaindustrie – politisch deutlich stärker berücksichtigt werden als die derjenigen, die täglich die medizinische Versorgung sicherstellen. Mehr über Mario: https://ortho-prevent.de https://www.linkedin.com/in/mario-werner-9b8a66135/ https://www.instagram.com/orthoprevent/ Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Jeder aus der Medizin-Bubble kennt ihn als kritischen Kommentator und überzeugten Verfechter der Evidence-Based-Medicine: Günther Egidi. In dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ spricht Dr. Laura Dalhaus mit dem ehemaligen Hausarzt, der 25 Jahre in der hausärztlichen Versorgung tätig war und an 20 bis 30 Leitlinien mitgearbeitet hat – und das teilweise bis heute, obwohl er bereits im Ruhestand ist. Günther ist überzeugt: Im Gesundheitssystem ist grundsätzlich genug Geld vorhanden. Das eigentliche Problem sieht er in einer gleichzeitigen Über-, Unter- und Fehlversorgung. An vielen Stellen werde Medizin erbracht, die keinen echten Mehrwert bietet und wertvolle Ressourcen bindet. Deshalb bewertet er einzelne Maßnahmen des GKV-Spargesetzes durchaus positiv. Dazu gehören beispielsweise das Aus des Hautkrebsscreenings sowie der Wegfall der zusätzlichen Vergütung für Terminservicestellen. Kritisch sieht er dagegen steigende Zuzahlungen für Patient:innen und die hohen Gewinne der Pharma-Industrie. Laura und Günther diskutieren über die Preisgestaltung von Medikamenten sowie den Umgang Deutschlands mit der Pharma-Branche. Laura schildert dazu den deutlichen Preisanstieg von Jardiance nach der Anerkennung eines Zusatznutzens. Auch beim Thema Prävention vertreten beide differenzierte Positionen. Günther spricht bewusst lieber von Gesundheitsuntersuchungen als von Check-up-Untersuchungen. Der Begriff „Check-up“ vermittle den Eindruck, der menschliche Körper funktioniere wie ein Auto beim TÜV. Gerade in diesem Bereich erkennt er erhebliche Überversorgung. Besonders bei älteren Menschen sieht er einen deutlich größeren präventiven Effekt darin, Einsamkeit zu verhindern. Gleichzeitig entstehen immer mehr Angebote außerhalb der klassischen Versorgung – etwa Bluttests, Stuhluntersuchungen oder Urinuntersuchungen. Die Ergebnisse landen am Ende jedoch wieder in den Hausarztpraxen, wo sie eingeordnet werden müssen. Laura bezeichnet diese Entwicklung als unethische Medizin. In diesem Zusammenhang erklärt Günther das Konzept der „Number needed to treat“: Wie viele Menschen müssen behandelt werden, damit eine einzige Person tatsächlich profitiert? Ergänzend spricht er über die „Time needed to treat“, also den zeitlichen Aufwand, der notwendig ist, um einen Behandlungserfolg zu erzielen. Für Günther gehört eine umfassende Aufklärung über Vor- und Nachteile medizinischer Maßnahmen zu den Kernaufgaben des Arztberufs. Wer Patient:innen diese Informationen vorenthält, begeht aus seiner Sicht einen Kunstfehler. Ebenso wichtig ist für Laura die „Number needed to harm“. Sie beschreibt, bei wie vielen behandelten Patient:innen relevante Nebenwirkungen oder Schäden auftreten. Gerade bei älteren Menschen steigen Nutzen und Risiko häufig parallel an. Medizinische Entscheidungen bewegen sich deshalb selten in einem Schwarz-Weiß-Schema – vielmehr müssen Risiken und Nutzen immer individuell gegeneinander abgewogen werden. Die beiden sprechen außerdem über ökonomische Interessen im Gesundheitssystem. Für Volkskrankheiten wie Diabetes besteht ein großer wirtschaftlicher Markt, weil Betroffene häufig lebenslang Medikamente benötigen. Andere Erkrankungen, beispielsweise psychische Erkrankungen, sind wirtschaftlich deutlich weniger attraktiv – obwohl sie auf der Morbiditäts-Mortalitätsliste mittlerweile Herz-Kreislauf-Erkrankungen überholt haben. Laura und Günther teilen die Überzeugung: Armut macht krank und Krankheit macht arm. Mit Blick auf das GKV-Spargesetz erwartet Laura außerdem, dass sich immer mehr Ärzt:innen gezwungen sehen werden, Privatsprechstunden und Selbstzahlerleistungen auszubauen. Das Nebeneinander von Über-, Unter- und Fehlversorgung zeigt sich für Günther besonders deutlich: Während Herzkatheter in vielen Bereichen übermäßig eingesetzt werden, herrscht beispielsweise in der Rheumatologie eine erhebliche Unterversorgung. Doch wie lässt sich das Gesundheitssystem sinnvoll steuern? Eine Staatsmedizin nach britischem Vorbild hält Laura nicht für die Lösung. Stattdessen plädiert Günther für ein demokratisch kontrolliertes und transparentes System, in dem Priorisierung – ausdrücklich nicht Rationierung – offen diskutiert und nachvollziehbar entschieden wird. Ergänzend fordert er eine kleinräumige Bedarfsplanung. Seine Überlegungen reichen sogar bis in die ärztliche Ausbildung. Derzeit können sich Medizinstudierende frei für alle Fachrichtungen entscheiden, ohne dass systematisch berücksichtigt wird, in welchen Bereichen künftig tatsächlich wie viele Spezialist:innen benötigt werden. Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Welche Auswirkungen hat das GKV-Spargesetz auf Ärzt:innen, die Physiotherapie und die Pflege? Darüber wird derzeit viel gesprochen. Eine Berufsgruppe gerät dabei jedoch kaum in den Fokus: die Orthopädie-Technik. Dabei ist sie für schwer betroffene Patient:innen, Schwerkranke sowie Kinder und Jugendliche unverzichtbar. Ohne die Versorgung mit passenden Hilfsmitteln sind Teilhabe, Lebensqualität und häufig auch der Erfolg einer Therapie kaum möglich. Trotzdem verfügt dieser Bereich über nur wenig politische Lobby. Deshalb spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Diana Zollfrank, Orthopädietechnik-Meisterin. Diana gibt einen Einblick in ihren Arbeitsalltag und erklärt, welche Hilfsmittel in der Orthopädie-Technik gefertigt und angepasst werden. Dazu gehören unter anderem Bandagen, Kompressionsstrümpfe, Orthesen, Prothesen, orthopädische Schuhe und viele weitere individuelle Versorgungen. Eigentlich verfolgt auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken das Ziel, Pflegebedürftigkeit möglichst lange zu verhindern. Für Laura sind deshalb gerade Heil- und Hilfsmittel ein entscheidender Baustein, damit Menschen möglichst lange selbstständig in ihrer Häuslichkeit leben können. Umso weniger nachvollziehbar ist für sie, dass das GKV-Spargesetz ausgerechnet in diesem Bereich einen Pauschalabzug von drei Prozent vorsieht. In ihrer hausärztlichen Praxis überweist Laura Patient:innen deshalb bewusst in ein Sanitätshaus. Dort erhalten sie eine fachkundige Beratung und kommen anschließend mit einem Verordnungsvorschlag zurück. Aus ihrer Sicht sollten Entscheidungen über Hilfsmittel von denjenigen getroffen werden, die täglich damit arbeiten. Eine Hausärztin muss schließlich nicht beurteilen, welcher Sitzwinkel für einen Rollstuhl individuell der richtige ist. Wie komplex das System inzwischen geworden ist, schildert Diana anhand ihrer täglichen Arbeit. Sie verwaltet rund 700 Verträge mit 95 Krankenkassen in insgesamt 39 Produktgruppen. Alle zwei Jahre stehen neue Vertragsverhandlungen an. Gleichzeitig reicht bereits ein kleiner Formfehler aus, damit eine Versorgung unter Umständen gar nicht vergütet wird. Hinzu kommt ein kaum nachvollziehbares Steuersystem: Für Hilfsmittel gelten je nach Produkt sieben oder 19 Prozent Mehrwertsteuer – teilweise sogar innerhalb derselben Produktgruppe. Auch die Orthopädie-Technik leidet unter einem erheblichen Fachkräftemangel. Statistisch kommen auf 100 offene Stellen lediglich 18 qualifizierte Bewerber:innen. Für Laura ist deshalb klar, dass der Beruf deutlich mehr Aufmerksamkeit braucht und die Ausbildung stärker beworben werden sollte. Laura sieht durchaus, dass viele Hilfsmittel individuell angepasst werden müssen. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Krankheitsbilder, bei denen standardisierte Lösungen möglich wären. Ihr Vorschlag: Für bestimmte Diagnosen sollte direkt eine definierte Gruppe an Hilfsmitteln verordnet werden können. Das würde viele Genehmigungsprozesse vereinfachen und die Antragsflut deutlich reduzieren. Die Folgen der aktuellen Vertragsstrukturen wirken teilweise absurd. So wird ein Rollstuhl manchmal von einem Sanitätshaus geliefert, das über 100 Kilometer entfernt liegt, oder eine Matratze landet lediglich an der Bordsteinkante einer älteren Person – nur weil zwischen der Krankenkasse und dem örtlichen Sanitätshaus kein Vertrag besteht. Auch die langen Bearbeitungszeiten der Krankenkassen stellen ein großes Problem dar. Auf einen Rollstuhl warten Betroffene teilweise sechs bis acht Wochen. Gerade bei Kindern kann das dazu führen, dass das Hilfsmittel bei der Genehmigung bereits nicht mehr optimal passt, weil sie in dieser Zeit gewachsen sind. Zusätzlich werden nahezu 50 Prozent aller Anträge vom Medizinischen Dienst (MD) überprüft, was die Versorgung häufig weiter verzögert. Für Diana ist Orthopädie-Technik weit mehr als ein Beruf – sie versteht ihr Handwerk als Hilfe für Menschen, die auf individuelle Hilfsmittel angewiesen sind. Genau deshalb richtet Laura zum Schluss einen klaren Appell an die Politik: Wer Pflege vermeiden, Selbstständigkeit erhalten und Teilhabe ermöglichen möchte, darf die Orthopädie-Technik nicht weiter ausbremsen. Jetzt braucht nicht nur die Versorgung Unterstützung – sondern auch das Handwerk, das sie überhaupt erst möglich macht. Zur Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/alarmstufe-rot-individuelle-hilfsmittelversorgung-sichern-3-pauschalabschlag-streichen Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Gerne – etwas zugespitzter, aber weiterhin sachlich und im Stil von Laura: Habt ihr schon vom GeDIG gehört – dem Gesetz für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen? Der Name klingt nach Fortschritt. Für Dr. Laura Dalhaus steckt dahinter allerdings ein Digitalgesetz mit erheblichem Konfliktpotenzial. Das Bundesgesundheitsministerium bewirbt das Gesetz aus dem Jahr 2024 als wichtigen Schritt in Richtung Digitalisierung und europäischen Gesundheitsdatenraum. Doch je tiefer Laura in den Gesetzestext eintaucht, desto mehr stellt sich für sie die Frage: Geht es hier noch um Digitalisierung – oder längst um Kontrolle? Nach den Plänen sollen Krankenkassen künftig Patientendaten anonymisieren und weiterverarbeiten dürfen. Mit entsprechender Einwilligung könnten sie zusätzlich Informationen wie Ernährungsgewohnheiten, Raucherstatus oder Körpergewicht erfassen und auswerten. Dabei macht Laura eines ganz deutlich: Sie ist überzeugte Befürworterin der elektronischen Patientenakte (ePA), der Digitalisierung und einer starken Prävention. Was sie jedoch entschieden ablehnt, ist eine Entwicklung, bei der Krankenkassen zunehmend in die Rolle der Behandler schlüpfen. Auch der Berufsverband Deutscher Psycholog:innen warnt vor den geplanten Regelungen. Künftig könnten Betriebsärzt:innen ohne ausdrückliche Zustimmung umfassenden Zugriff auf Inhalte der ePA erhalten – darunter psychiatrische Befunde, Persönlichkeitsdiagnostik und Entlassbriefe. Für Laura ist das ein direkter Angriff auf das Arztgeheimnis. Und sie betont: Diese Kritik kommt nicht von einzelnen Stimmen, sondern wird von vielen Ärzt:innen geteilt. Besonders kritisch sieht sie außerdem, dass Krankenkassen auf Basis der ePA eigenständig Leistungsempfehlungen an Versicherte aussprechen dürfen – ohne Rücksprache mit der behandelnden Praxis. Gleichzeitig sollen sie stärker mitentscheiden können, welche medizinischen Maßnahmen als notwendig gelten. Für Laura ist damit eine rote Linie überschritten. Digitalisierung darf die Versorgung verbessern – aber nicht dazu führen, dass Krankenkassen Schritt für Schritt ärztliche Entscheidungen übernehmen. Die zentrale Frage lautet für sie deshalb: Wer behandelt künftig eigentlich die Patient:innen – die Ärzt:innen oder die Krankenkassen? Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Eine medizinische Disziplin gerät zunehmend unter Druck: die Schmerztherapie. Obwohl sie für viele Patient:innen unverzichtbar ist, spielt sie in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen oft nur eine untergeordnete Rolle. Dabei lebt gute Schmerzmedizin von ausreichend Zeit, einer gründlichen Anamnese und einer individuellen Betreuung. In dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ spricht Dr. Laura Dalhaus mit Dr. Stefan Hegemann, der als Schmerztherapeut an einem Krankenhaus in Düren tätig ist. Stefan hat dort ein Team aus drei Schmerztherapeuten aufgebaut und verfolgt einen klaren Ansatz: Schmerztherapie funktioniert nur, wenn man sich intensiv mit den Menschen und ihrer Krankheitsgeschichte beschäftigt. Mit der Krankenhausreform verschwindet jedoch die stationäre Schmerztherapie als eigenständige Leistungsgruppe. Für Laura ist das ein großer Verlust. Aus ihrer eigenen Erfahrung weiß sie, dass viele Patient:innen durch eine spezialisierte Schmerztherapie ihre hohen Opioid-Dosen deutlich reduzieren konnten und dadurch an Lebensqualität gewonnen haben. Da Stefan zusätzlich als Suchtmediziner arbeitet, sprechen die beiden auch über Cannabis und die damit verbundenen bürokratischen Hürden. Er erläutert, dass chronische Schmerzen häufig mit psychischen Belastungen einhergehen. Gleichzeitig führen F-Diagnosen in vielen Fällen dazu, dass bestimmte Therapien – etwa Cannabis – erschwert oder ausgeschlossen werden. Auch der Medizinische Dienst (MD) ist Thema der Folge. Beide berichten, dass sie regelmäßig Widersprüche gegen Entscheidungen einlegen und sich bei Aufsichtsbehörden beschweren müssen, weil sie viele Bewertungen des MD als wenig praxisnah empfinden. Stefan beschreibt außerdem die Vorgaben der Qualitätssicherungsvereinbarung Schmerztherapie. Danach müssen pro Quartal 192 Stunden Sprechstunde angeboten werden. Gleichzeitig gelten Prüfzeiten, sodass Ärzt:innen bereits ab einer Abrechnung von mehr als 156 Stunden in eine Plausibilitätsprüfung geraten. Zusätzlich ist die Versorgung faktisch auf etwa 300 Patient:innen pro Quartal begrenzt – ein Widerspruch, der den Praxisalltag erheblich erschwert. Wie so oft landet die Diskussion schließlich beim Thema Finanzierung. Stefan erklärt, welche zentrale Rolle Überweisungsscheine für seine Abrechnung spielen. Gleichzeitig beobachtet er, dass im Gesundheitswesen zunehmend über Rationalisierung und Rationierung gesprochen wird. Trotz hoher Ausgaben bleibt der medizinische Output hinter den Erwartungen zurück – und immer mehr Health Care Professionals spüren die Folgen dieser Entwicklung auch gesundheitlich. Der wirtschaftliche Druck betrifft längst nicht mehr nur niedergelassene Ärzt:innen. Laura greift in diesem Zusammenhang erneut das Thema Regresse auf und macht deutlich, dass auch Krankenhäuser immer stärker unter finanziellen Zwängen stehen. Ein weiterer Schwerpunkt sind die unterschiedlichen Schmerzmedikamente und ihre jeweiligen Indikationen. Gerade in der Schmerzmedizin sind Off-Label-Verordnungen fester Bestandteil der Versorgung. Für die behandelnden Ärzt:innen bedeutet das jedoch häufig ein erhebliches Haftungsrisiko. Laura wundert sich darüber, dass innerhalb der Ärzteschaft teilweise noch immer die Sorge besteht, es gebe nicht genügend Arbeit für alle. Aus ihrer Sicht zeigt die Realität etwas anderes: Nicht die Nachfrage fehlt, sondern eine angemessene Vergütung der medizinischen Leistungen. Deshalb entscheiden sich immer mehr Ärzt:innen dafür, einen größeren Anteil ihrer Tätigkeit über IGeL-Leistungen beziehungsweise Selbstzahler-Leistungen abzubilden. Laura sieht darin durchaus Chancen, denn manche Innovationen gelangen erst über diesen Weg später in die Regelversorgung. Gleichzeitig beobachtet sie, dass viele Menschen zunehmend bereit sind, selbst in ihre Gesundheit zu investieren. Zum Abschluss plädiert Stefan dafür, den kollegialen Austausch stärker zu pflegen und belastbare Netzwerke aufzubauen. Für ihn gehören gegenseitige Wertschätzung, Zusammenarbeit und die Bereitschaft, sich Unterstützung zu holen, zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine gute medizinische Versorgung. Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Nutzt die Politik die Sommerpause, um besonders umstrittene Gesetze möglichst geräuschlos zu verabschieden? Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in der aktuellen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“. Im Mittelpunkt steht erneut das GKV-Stabilisierungsgesetz (GKV-Spargesetz), das weiterhin für erhebliche Diskussionen sorgt. Besonders angespannt ist die Lage in der Pflegeversicherung, deren Finanzierung zunehmend unter Druck gerät. Ursachen sind der demografische Wandel, sinkende Geburtenzahlen, eine rückläufige Netto-Einwanderung und die steigende Lebenserwartung. Dabei liegen längst Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit auf dem Tisch, um Prävention zu stärken – etwa durch gesundes Schulessen oder eine Zuckersteuer. Aus Sicht von Laura fehlt jedoch der politische Wille, diese Maßnahmen konsequent umzusetzen. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Bremen hat reagiert und den Deutschen Ethikrat eingeschaltet. Diskutiert wird die Frage, ob die aktuelle Ausgabenpolitik der Bundesregierung noch mit einer bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung vereinbar ist. Gleichzeitig wird geprüft, ob die Finanzierung der Krankenversicherungsbeiträge von Bürgergeldempfänger:innen durch die gesetzlich Versicherten verfassungsrechtlich Bestand haben kann. Ein weiteres großes Thema ist die Situation der Krankenhäuser. Laura kritisiert, dass das Krankenhaussterben zunehmend den Marktmechanismen überlassen wird – mit möglichen Folgen für die Versorgungssicherheit, insbesondere bei kommunalen Krankenhäusern. Auch Sanitätshäuser geraten wirtschaftlich immer stärker unter Druck. Nach den heftigen Debatten um die Honorare der Psychotherapeut:innen hält das Bundesministerium für Gesundheit trotz massiver Proteste an seiner Linie fest und sieht keinen Anlass für Beanstandungen. Für Laura ist das vor allem mit Blick auf die Versorgung von Kindern und Jugendlichen problematisch. Fehlende Investitionen in diesem Bereich hätten nicht nur gesundheitliche, sondern auch langfristige volkswirtschaftliche Folgen. Auch bei der Prävention sieht sie verpasste Chancen. Während über höhere Abgaben auf Tabak und Alkohol diskutiert wird, lehnt Bundesfinanzminister Klingbeil entsprechende Schritte für Bier und Wein ab. Gleichzeitig fordert Bundeskanzler Friedrich Merz mehr Akzeptanz für die geplanten Reformen. Laura würde ihn gerne einen Tag in ihrer Hausarztpraxis begleiten lassen, um die Realität der Versorgung kennenzulernen. Die Sparpläne von Nina Warken hinterlassen bereits Spuren: Immer mehr Niedergelassene denken darüber nach, ihre Praxis aufzugeben. Für Laura entsteht der Eindruck, dass der ambulanten Versorgung in der politischen Diskussion zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Dabei war die demografische Entwicklung seit Jahren vorhersehbar. Statt rechtzeitig gegenzusteuern, werden die finanziellen Folgen nun zunehmend auf die Leistungserbringer übertragen. Nahezu alle Akteure im Gesundheitswesen warnen inzwischen vor den Auswirkungen der Sparmaßnahmen. Die KV Rheinland-Pfalz bezeichnete das Gesetz sogar als „Patienten-Versorgungs-Verschlechterungs-Gesetz“ – eine Formulierung, die Laura durchaus nachvollziehen kann. Gleichzeitig wirkt vieles wie Symbolpolitik: Für die Anhörung von rund 90 Verbänden standen lediglich 150 Minuten zur Verfügung. Neben dem Spargesetz sorgt auch das Digitalgesetz für Kritik. Die niedergelassene Ärzteschaft befürchtet, dass Krankenkassen künftig Informationen aus der ePa nutzen könnten, um Patient:innen direkt anzusprechen. Zusätzlich stehen Pläne im Raum, Krankenkassen stärker in das PVS-System einzubinden und Termine über Krankenkassen-Apps zu steuern. Für Laura widerspricht das dem Prinzip der ärztlichen Freiberuflichkeit. Außerdem startet sie eine neue Rubrik: „Kassen und Wahrheit“. Darin greift sie unter anderem auf, dass die Techniker Krankenkasse (TK) eine eigene Studie zur HZV in Auftrag gegeben hat, obwohl bereits wissenschaftliche Untersuchungen zur Hausarztzentrierten Versorgung vorliegen. Für Laura ist das ein unnötiger Einsatz von Beitragsgeldern. Parallel denken inzwischen immer mehr Niedergelassene über den Wechsel in eine Privatpraxis nach. Gleichzeitig sollen Apotheken künftig verstärkt Impfungen übernehmen. Laura sieht darin den Aufbau weiterer Parallelstrukturen und stellt die Frage, wer im Fall von Komplikationen die Verantwortung übernimmt. Zum Abschluss macht sie deutlich: Gerade jetzt, wo Ungerechtigkeiten entstehen, dürfen Missstände nicht unwidersprochen bleiben. Offene Debatten über Versorgung, Finanzierung und Gerechtigkeit seien nicht nur für das Gesundheitssystem wichtig, sondern auch für das Vertrauen in die Demokratie. Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Werbekooperation mit Heidi Health Das Gesundheitssystem entfernt sich immer weiter vom Klassenziel. Darüber sprechen Dr. Laura Dalhaus und Dr. Andrea Morawe in dieser Folge, die auf dem BAM – dem Bundeskongress Allgemeinmedizin – aufgenommen wurde. Digitalisieren wir aktuell die richtigen Bereiche? Während digitale Lösungen eigentlich Verwaltungsaufgaben vereinfachen sollten, entsteht zunehmend der Eindruck, dass stattdessen die Arzt-Patienten-Beziehung verändert wird. Andrea berichtet, dass ihre Hausarztpraxis mit Telefon-KI und einer Online-Rezeption bereits vergleichsweise digital aufgestellt ist. Gleichzeitig beobachtet Laura, dass die klassische körperliche Untersuchung zunehmend an Bedeutung verliert. Dabei braucht gute Versorgung nicht nur digitale Prozesse, sondern vor allem Steuerung, Vorsortierung und eine sinnvolle diagnostische Einordnung. Genau dieses Verständnis scheint aus ihrer Sicht in der politischen Diskussion häufig zu fehlen. Damit geht auch klinische Erfahrung verloren. Wenn weniger untersucht wird, lernen Nachwuchsmediziner:innen wichtige Untersuchungstechniken seltener im Alltag kennen. Für Laura besteht gute Medizin nicht aus dem bloßen Abarbeiten von Checklisten. Sie stellt die grundsätzliche Frage, ob wir uns zunehmend auf Befunde konzentrieren, die zwar messbar sind, aber für die tatsächliche Gesundheit der Patient:innen oft keine relevante Bedeutung haben. Ein Beispiel dafür sieht sie im betrieblichen Gesundheitsmanagement einiger großer Unternehmen. Dort werden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, deren Ergebnis häufig lautet: „Lassen Sie das bitte beim Hausarzt abklären.“ Die eigentliche Einordnung und Beratung bleibt dann bei den Hausärzt:innen hängen. Für Laura zeigt das deutlich, dass einzelne Messwerte ohne eine umfassende Risikobewertung wenig Aussagekraft haben. Auch Andrea sieht hier eine Schwäche vieler KI-Systeme. Gesundheitliche Probleme lassen sich nicht isoliert betrachten. Menschen müssen ganzheitlich bewertet werden – mit ihrer Lebenssituation, ihrer Vorgeschichte und ihren individuellen Belastungen. Laura schildert dazu den Fall eines Patienten, der einen schweren Trauerfall erlebt hatte. Für sie bestand die hausärztliche Aufgabe nicht einfach darin, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auszustellen, sondern die Hintergründe zu verstehen und den Menschen zu begleiten. In einer rein standardisierten Checklisten-Medizin wäre dafür kaum Raum vorhanden. Beide sind sich deshalb einig: KI kann unterstützen, aber sie ersetzt keine menschliche Medizin. Entscheidend ist, digitale Werkzeuge dort einzusetzen, wo sie tatsächlich entlasten. Ein großes Thema bleibt die Bürokratie. Formulare, Anträge und Dokumentationspflichten nehmen immer mehr Zeit in Anspruch. Dabei könnten Medizinische Fachangestellte (MFA) ihre Qualifikation für deutlich sinnvollere Aufgaben einsetzen. Genau hier sehen Laura und Andrea die Stärken digitaler Lösungen. In ihrem Praxisalltag nutzen beide beispielsweise Heidi. Das System unterstützt bei der Dokumentation, beantwortet viele administrative Anfragen und spart dadurch wertvolle Zeit. Gleichzeitig kann es Gesprächsinhalte strukturieren und für Patient:innen verständlich zusammenfassen. Dadurch verbessert sich aus ihrer Sicht sogar die Arzt-Patienten-Beziehung, weil während der Sprechstunde weniger Zeit am Bildschirm verbracht werden muss. Darüber hinaus sprechen die beiden über die Auswirkungen des GKV-Spargesetzes. Insbesondere die Ambulantisierung sorgt für zusätzliche Herausforderungen, wenn Nachsorgekonzepte nicht ausreichend mitgedacht werden. Auch andere Regelungen, etwa Veränderungen bei den Pflegegraden, könnten die Versorgung verschlechtern. Ein weiteres Problem ist die fehlende Zeit für Aus-, Fort- und Weiterbildung. Wenn Medizin immer stärker ökonomischen Zwängen unterliegt, stellt sich die Frage, wie zukünftige Ärzt:innen ausreichend ausgebildet werden sollen. Gerade hier könnte ein sinnvoller Einsatz von KI Freiräume schaffen. Kritisch sehen beide außerdem, dass gesundheitspolitische Entscheidungen häufig entlang von Legislaturperioden getroffen werden. Langfristige Ziele und nachhaltige Strukturreformen geraten dabei oft in den Hintergrund. Gleichzeitig sollte das deutsche Gesundheitssystem aus ihrer Sicht nicht die Aufgabe haben, den Pharmastandort Deutschland zu sichern. Zum Abschluss machen Laura und Andrea deutlich: Weder Resignation noch blinder Aktionismus helfen weiter. Notwendig sind kluge Entscheidungen, langfristiges Denken und der Wille, das System wirklich zu verbessern. Zum Kurs für PAs und PCM: https://bryght.social/shop/790 Zur Communtiy für PAs und PCM: https://bryght.social/communities/physician-assistants-by-laura-dalhaus/memberships Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/ Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zu LandMEDchen auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zu LandMEDchen auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zu LandMEDchen bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319 s
Nicht nur Ärzt:innen schlagen wegen des GKV-Spargesetzes beziehungsweise des Beitragsstabilisierungsgesetzes Alarm. Auch die Heilmittelerbringer – von der Physiotherapie über die Ergotherapie bis zur Logopädie – sehen die Versorgung durch die geplanten Maßnahmen massiv gefährdet. Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Christine Donner, geschäftsführendem Vorstand des Bundesverbands der Ergotherapeut:innen, und Tobias Niklas, Landesvorsitzendem sowie stellvertretendem Bundesvorsitzenden des Verbands für Physiotherapie (VPT e.V.). Christine erläutert zunächst die Aufgaben der Ergotherapie. Im Mittelpunkt steht dabei, Menschen dabei zu unterstützen, möglichst selbstständig zu bleiben und ein Leben in der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen. Die geplanten Einschnitte bewertet sie kritisch: Aus ihrer Sicht drohen längere Wartezeiten, höhere Zuzahlungen und spürbare Verschlechterungen in der Versorgung. Besonders problematisch ist, dass Gesundheit und Einkommen eng miteinander verknüpft sind. Schon heute gibt es viele Menschen, die Schwierigkeiten haben, die Zuzahlungen für Heilmittel aufzubringen. Auch in der Physiotherapie sind die Belastungsgrenzen längst erreicht. Tobias berichtet von Behandlungszeiten von 15 bis 20 Minuten, in denen zusätzlich Dokumentation sowie Vor- und Nachbereitung stattfinden müssen. Gleichzeitig sei die wirtschaftliche Situation vieler Praxen schwieriger geworden, da die Vergütung mit den allgemeinen Kostensteigerungen nicht Schritt gehalten habe. Ein weiteres Problem sehen beide in der zunehmenden Ambulantisierung. Immer mehr Patient:innen werden früher aus dem Krankenhaus entlassen und benötigen anschließend zeitnah Heilmittel. Die dafür notwendigen Kapazitäten wurden jedoch politisch nicht mitgeplant. Tobias fordert deshalb keine Einzelmaßnahmen mehr, sondern eine grundlegende Gesundheitsreform. Auch die politischen Ziele rund um Prävention und die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit werden diskutiert. Laura weist darauf hin, dass sich diese Ziele kaum erreichen lassen, wenn gleichzeitig bei den Heilmittelerbringern gespart wird. Christine bestätigt, dass der Zusammenhang zwischen Heilmitteln und der Vermeidung von Pflegebedürftigkeit in politischen Entscheidungen häufig unterschätzt werde. Besonders kritisch blickt sie auf die aktuelle Legislaturperiode. Aus ihrer Sicht kommen Beteiligung und fachlicher Austausch deutlich zu kurz. Dabei verweist sie auf eine Zahl, die den volkswirtschaftlichen Nutzen des Gesundheitswesens verdeutlicht: Investitionen in die Versorgung der Versicherten wirken sich unmittelbar positiv auf die Gesamtwirtschaft aus. Vor diesem Hintergrund denken immer mehr Praxen darüber nach, ihr Angebot stärker auf Selbstzahlerleistungen auszurichten. Gerade in der Physiotherapie werde dieser Trend zunehmen, weil wirtschaftliches Arbeiten im regulären Kassensystem zunehmend schwieriger werde. Auch der Fachkräftemangel bleibt ein zentrales Thema. Beide sind sich einig, dass die Entwicklung seit Jahren absehbar war. Während die Ärzteschaft teilweise von Zuwanderung profitiert, fehlt es bei den Heilmittelerbringern an wirksamen Maßnahmen, um die Berufe attraktiver zu machen. Tobias verweist darauf, dass Beschäftigte im Sozialversicherungsbereich teilweise deutlich höhere Gehälter erhalten als Physiotherapeut:innen. Hinzu kommen strukturelle Probleme in der Ausbildung. Lange mussten angehende Physio- und Ergotherapeut:innen ihre Ausbildung sogar selbst finanzieren. Viele angekündigte Reformen wurden zwar diskutiert, aber nicht umgesetzt. Unklar bleibt zudem, wie der Übergang von der Schulgeldfreiheit zu einer vergüteten Ausbildung gestaltet werden soll. Laura betont, dass die Wertschätzung von Aus- und Weiterbildung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Als Beispiel nennt sie die Lymphdrainage: Obwohl Physiotherapeut:innen diese bereits in ihrer Ausbildung erlernen, dürfen sie die Leistung erst nach einer zusätzlichen und aufwendigen Weiterbildung abrechnen. Christine kritisiert außerdem den Einfluss der Kostenträger auf politische Entscheidungen. Einerseits werde auf steigende Ausgaben verwiesen, andererseits wolle man Leistungen begrenzen – obwohl eine alternde Gesellschaft zwangsläufig einen höheren Versorgungsbedarf mit sich bringt. Aus ihrer Sicht müssten die Kostenträger stärker Rechenschaft über ihre Entscheidungen ablegen. Am Ende sind sich alle drei einig: Das Gesundheitssystem braucht eine echte Strukturreform. Fachleute müssen stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, die Vergütung muss verbessert werden und die Probleme der Versorgung dürfen nicht länger ignoriert werden. Zum VPT: https://www.vpt.de Zum Kurs für PAs und PCM: https://bryght.social/shop/790 Zur Communtiy für PAs und PCM: https://bryght.social/communities/physician-assistants-by-laura-dalhaus/memberships Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Nicht nur das Gesundheitssystem steht vor großen Versorgungsproblemen – auch die Pflege gerät zunehmend an ihre Grenzen. In dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ spricht Dr. Laura Dalhaus mit Jennifer Höfer von Valentcura. Sie begleitet Pflegebedürftige und ihre Angehörigen durch die oft komplizierten Prozesse rund um Pflegegrad, Leistungen und Anträge und unterstützt sie mit ihrer fachlichen Expertise. Schnell wird deutlich: Wer mit Pflege in Berührung kommt, sieht sich häufig einem undurchsichtigen Geflecht aus Anträgen, Vorschriften und Datenschutzregelungen gegenüber. Jennifer erläutert den gesamten Weg von der Beantragung eines Pflegegrads über die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) bis hin zur konkreten Organisation der Versorgung. Dabei begleitet sie Betroffene häufig auch persönlich bei den MD-Terminen. Gerade ältere Menschen tun sich oft schwer damit, ihre Einschränkungen offen anzusprechen oder Unterstützung anzunehmen. Gleichzeitig bieten diese Begutachtungen die Möglichkeit, notwendige Hilfsmittel zu identifizieren, die den Alltag erheblich erleichtern können. Laura weist darauf hin, dass viele Angehörige die Belastung der Grundpflege unterschätzen. Aus ihrer Sicht sollte man sich gut überlegen, ob man diese Aufgaben selbst übernehmen kann. Gleichzeitig stellt sie infrage, warum der Zugang zu Hilfsmitteln in Deutschland häufig so kompliziert ist, obwohl diese die Selbstständigkeit und Lebensqualität deutlich verbessern können. Jennifer hält es für sinnvoll, sehr alten Menschen automatisch Pflegegrad 1 zuzuerkennen. Dadurch könnten aufwendige Begutachtungsverfahren reduziert werden, die Fachkräfte und finanzielle Ressourcen binden. Gleichzeitig beobachtet sie politische Diskussionen, die Leistungen rund um Pflegegrad 1 einschränken und pflegende Angehörige benachteiligen könnten, etwa bei der Anrechnung von Rentenpunkten. Stattdessen sollte aus ihrer Sicht die Unterstützung für Menschen gestärkt werden, die ihre Angehörigen zuhause versorgen. Schließlich findet der Großteil der Pflege in Deutschland weiterhin im häuslichen Umfeld statt. Ein weiteres Problem sieht Jennifer in der geringen politischen Vertretung pflegender Angehöriger. Während viele andere Gruppen starke Interessenvertretungen haben, fehlt es hier häufig an einer lauten Stimme. Dadurch entsteht zunehmend der Eindruck, dass die Verantwortung für Pflege wieder stärker auf die Familien verlagert wird. Dabei verändert die Pflege zuhause oft die gesamte Familiendynamik. Wenn Kinder plötzlich Verantwortung für ihre Eltern übernehmen, entstehen neue Belastungen und Konflikte. Aus Sicht beider Gesprächspartnerinnen benötigen pflegende Angehörige deshalb deutlich mehr psychische und organisatorische Unterstützung. Die Pflegekassen sind verpflichtet, innerhalb von 25 Werktagen über Anträge zu entscheiden. Viele Betroffene suchen jedoch erst Hilfe, wenn die Situation bereits eskaliert ist – oft auch, weil finanzielle Sorgen und geringe Renten den Druck zusätzlich erhöhen. Gleichzeitig verlassen immer mehr Fachkräfte die direkte Versorgung und wechseln in administrative Tätigkeiten. Für Laura ist das auch eine Folge von Fehlanreizen und überbordender Bürokratie, die wertvolle Arbeitskraft von der eigentlichen Versorgung abzieht. Daraus ergibt sich für sie eine zentrale Frage: Wie viel Versorgungspotenzial ließe sich gewinnen, wenn Prozesse vereinfacht und bestimmte Leistungen ohne aufwendige Begutachtungen zugänglich gemacht würden? Schließlich ist Pflegeberatung bereits heute gesetzlich vorgesehen und gehört eigentlich zu den Aufgaben der Krankenkassen. Jennifer sieht hier zahlreiche Möglichkeiten. Neben einer stärkeren Vernetzung mit Hausärzt:innen könnte sie sich beispielsweise auch Beratungsangebote in Apotheken vorstellen. Gerade hochbetagte Menschen haben oft weder die Zeit noch die Möglichkeiten, sich selbstständig durch die Informationsflut zu arbeiten. Auch Hausärzt:innen werden regelmäßig mit pflegerischen Fragestellungen konfrontiert, obwohl dies häufig nicht ihr eigentlicher Schwerpunkt ist. Laura betont deshalb, dass solche Aufgaben aus ihrer Sicht stärker von spezialisierten Fachkräften übernommen werden sollten. Ihr Wunsch ist es, dass erfolgreiche Pilotprojekte künftig ausgebaut werden und die Pflegeberatung den Stellenwert erhält, den sie angesichts des demografischen Wandels dringend braucht. Zur Website von Jennifer: www.valentcura.de Zum Kurs für PAs und PCM: https://bryght.social/shop/790 Zur Communtiy für PAs und PCM: https://bryght.social/communities/physician-assistants-by-laura-dalhaus/memberships Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Auf dem Deutschen Ärztetag haben Medizinstudentinnen ein Thema öffentlich gemacht, das in der Medizin viel zu lange weggeschoben wurde: sexuelle Belästigung, sexuelle Grenzüberschreitungen und Machtmissbrauch. In der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ spricht Dr. Laura Dalhaus darüber mit Dr. Andrea Morawe. Oft kommt bei solchen Berichten sofort die Reaktion: „Bei uns gibt es das nicht.“ Genau deshalb ordnet Andrea zunächst ein, worum es überhaupt geht. Sexuelle Belästigung kann bereits durch unangemessene Kommentare, Blicke oder Gesten entstehen. Von einer sexuellen Grenzüberschreitung sprechen wir dann, wenn die Würde einer Person verletzt wird. Auf dem Deutschen Ärztetag berichteten Studentinnen davon, dass sie auf Hotelzimmer eingeladen wurden und Gespräche mit ihnen weniger um Berufspolitik, sondern plötzlich um private Themen kreisten. Gerade in der Berufspolitik treffen junge Frauen häufig auf Strukturen, die noch immer stark vom Bild des „alten weißen Mannes“ geprägt sind. Dass solche Erfahrungen keine Einzelfälle sind, zeigt auch eine Umfrage des Marburger Bundes. Fast die Hälfte der Befragten gab an, bereits Machtmissbrauch am ärztlichen Arbeitsplatz erlebt zu haben. Ein wichtiger Punkt sind die Hierarchien in der Medizin. Besonders in der Chirurgie sind Ärzt:innen in Weiterbildung darauf angewiesen, bestimmte Eingriffe zu bekommen. Dadurch entstehen Abhängigkeiten von Vorgesetzten, die über OP-Pläne, Weiterbildung und Karrierewege entscheiden. Andrea erklärt diese Dynamiken auch über das Konzept der toxischen Männlichkeit. Viele Jungen lernen früh, Gefühle zu unterdrücken, nicht zu weinen und Kontrolle mit Stärke gleichzusetzen. In hierarchischen Systemen kann das problematische Verhaltensweisen verstärken. Das ist keine Entschuldigung, aber ein Erklärungsansatz. Wer merkt, dass Hilflosigkeit oder Frust regelmäßig in Aggression umschlagen, sollte sich Hilfe holen – denn solche Muster können langfristig auch in Gewalt münden. Laura und Andrea machen aber auch klar: Machtmissbrauch ist kein rein männliches Thema. Auch Frauen können Machtpositionen ausnutzen oder schlecht führen. Dahinter stehen oft Überforderung, Unsicherheit oder fehlende Reflexion. Im Kern geht es beiden um Gleichberechtigung. Frauen wollen keine Sonderbehandlung, sondern faire Strukturen und den Abbau von Machtgefällen. Laura spricht dazu auch über den Fall an der Universitätsklinik Essen, bei dem der Chefarzt der Gynäkologie keine Schwangerschaftsabbrüche durchführen wollte – auch keine medizinisch indizierten. Daran diskutieren die beiden, wie sehr Schwangerschaftsabbrüche historisch und politisch immer wieder zur Bevölkerungs- und Geburtenkontrolle genutzt wurden. Für sie ist klar: Frauen müssen ihren Lebensweg selbst bestimmen können. Dafür braucht es familienfreundliche Politik und echte Gleichbehandlung der Geschlechter. Im weiteren Verlauf sprechen Laura und Andrea über ihre eigenen Erfahrungen, über Erziehung, Kindheit und gesellschaftliche Rollenbilder. Auch Kinderbücher kommen zur Sprache, weil sie früh prägen, welches Bild von Männern, Frauen und Familie vermittelt wird. Andrea bringt außerdem ihre Perspektive aus Ostdeutschland ein. Die Jahre nach der Wende waren dort stark von Arbeitslosigkeit und Unsicherheit geprägt. Solche Erfahrungen wirken bis heute nach und können ein Nährboden für politische Strömungen sein, die traditionelle Rollenmodelle wieder stärker machen wollen. Am Ende steht der Appell: Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, in denen Familie, Beruf und Gleichberechtigung zusammen funktionieren. Und jedes Wahlkreuz hat Konsequenzen, auch für die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Zum Buch von Alicia Baier „Das Patriarchat im Uterus“: https://www.genialokal.de/Produkt/Alicia-Baier/Das-Patriarchat-im-Uterus_lid_55333313.html Zum Buch „Wenn die letzte Frau den Raum verlässt“: https://www.genialokal.de/Produkt/Vincent-Immanuel-Herr-Martin-Speer/Wenn-die-letzte-Frau-den-Raum-verlaesst_lid_54081188.html Zum Kurs für PAs und PCM: https://bryght.social/shop/790 Zur Communtiy für PAs und PCM: https://bryght.social/communities/physician-assistants-by-laura-dalhaus/memberships Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/ Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ Zu LandMEDchen auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen Zu LandMEDchen auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu Zu LandMEDchen bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319 s
Wie sieht die aktuelle Lage der Psychotherapie aus, in Anbetracht des GKV-Stabilisierungsgesetzes? Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Katja Udolph. Diese engagiert sich aktiv gegen die geplanten Einschnitte und vertritt eine Bundestagspetition im Petitionsausschuss. Im Mittelpunkt steht die Sorge, dass ausgerechnet ein ohnehin überlasteter Versorgungsbereich finanziell geschwächt werden soll. Nach einer bereits beschlossenen Kürzung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 Prozent drohen durch weitere Regelungen zusätzliche Einschränkungen. Katja macht deutlich, dass dies nicht nur die wirtschaftliche Situation von Praxen verschärft, sondern langfristig auch die Versorgung von Patient:innen gefährden kann. Steigende Kosten für Personal, Miete, Energie und Verwaltung treffen auf ein System, das gleichzeitig weniger finanzielle Spielräume bietet. Besonders kritisch sehen beide die Situation von Kindern und Jugendlichen. Schon heute sind die Wartezeiten auf einen Therapieplatz vielerorts enorm. Wenn junge Menschen Monate oder sogar Jahre auf Unterstützung warten müssen, gehen wichtige Entwicklungsphasen verloren. Psychische Erkrankungen in jungen Jahren beeinflussen häufig den weiteren Bildungsweg, die Berufsperspektiven und die gesellschaftliche Teilhabe. Für Laura und Katja ist deshalb klar: Jeder nicht behandelte Fall kann langfristig hohe persönliche und gesellschaftliche Folgekosten verursachen. Auch die Reform der Psychotherapeutenausbildung wird kritisch beleuchtet. Katja berichtet, dass Pädagog:innen früher über einen alternativen Weg Zugang zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie hatten. Mit der Neustrukturierung der Ausbildung ist dieser Weg weitgehend weggefallen. Dadurch verliert die Versorgung aus ihrer Sicht eine Berufsgruppe, die gerade im Umgang mit Kindern und Jugendlichen wertvolle Kompetenzen mitbringt. Die ursprüngliche Reformidee sei zwar sinnvoll gewesen, müsse aber an einigen Stellen dringend nachgebessert werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bedarfsplanung. Derzeit werden Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen gemeinsam mit Psychotherapeut:innen für Erwachsene erfasst. Das führt dazu, dass Regionen offiziell als ausreichend versorgt gelten, obwohl für junge Patient:innen tatsächlich ein erheblicher Mangel besteht. Katja plädiert deshalb für eine eigenständige Bedarfsplanung, die den tatsächlichen Versorgungsbedarf von Kindern und Jugendlichen abbildet. Die beiden sprechen außerdem über die Realität im Praxisalltag. Überlastete Strukturen, Personalmangel und organisatorische Hürden erschweren die Arbeit zunehmend. Katja schildert Probleme mit der Terminservicestelle, über die teilweise sogar Erwachsene auf Termine von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen vermittelt werden. Gleichzeitig erleben Hausärzt:innen und Psychotherapeut:innen täglich Menschen mit dringendem Behandlungsbedarf, für die es oft keine zeitnahe Lösung gibt. Auch das Verhältnis zwischen den verschiedenen Fachgruppen wird thematisiert. Laura kritisiert, dass der zunehmende Verteilungskampf um begrenzte Ressourcen die Zusammenarbeit erschwert. Statt gegeneinander um Budgets zu konkurrieren, müssten ambulante Leistungserbringer gemeinsam für bessere Rahmenbedingungen eintreten. Beim Thema Primärarztsystem vertreten die beiden differenzierte Positionen. Während Laura die Vorteile einer besseren Steuerung von Patient:innen betont, weist Katja darauf hin, dass psychische Erkrankungen besondere diagnostische und therapeutische Zugänge erfordern. Die psychotherapeutische Sprechstunde erfülle bereits heute eine wichtige Lotsenfunktion und ermögliche eine gezielte Einschätzung des individuellen Hilfebedarfs. Zum Abschluss richtet sich der Blick auf die politische Ebene. Katja berichtet von ihrem Engagement als „Frau in Orange“ und ihrem Ziel, psychischen Erkrankungen mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Gemeinsam appellieren beide an die Politik, die ambulante Versorgung nicht weiter zu schwächen. Eine funktionierende Psychotherapie sei kein Luxus, sondern eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, Bildungschancen und langfristige Gesundheit. Zur Bundestagspetition: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2026/_03/_22/Petition_196912.html Zur Website von Katja: www.diefrauinorange.de Zum Kurs für PAs und PCM: https://bryght.social/shop/790 Zur Communtiy für PAs und PCM: https://bryght.social/communities/physician-assistants-by-laura-dalhaus/memberships Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Triggerwarnung: Suizid Seitdem das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe aufgehoben hat, besteht in Deutschland ein juristisches Vakuum. Genau darüber spricht Dr. Laura Dalhaus mit dem Fachanwalt für Medizinrecht Hendrik Hörnlein. Ausgangspunkt war das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht ein neues Grundrecht abgeleitet hat: das Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Jeder Mensch soll selbst entscheiden können, wie und wann er sterben möchte – unabhängig von äußeren Vorgaben oder Lebenssituationen. Gleichzeitig hat das Gericht dem Gesetzgeber Hinweise gegeben, wie sich dieses Recht mit dem Schutz des Lebens vereinbaren ließe. Deshalb wird heute häufiger von assistiertem Suizid gesprochen als von Sterbehilfe. Das Urteil stammt aus dem Jahr 2020. Kurz danach dominierte jedoch die Covid-Pandemie die politische Agenda, sodass eine neue gesetzliche Regelung bislang ausblieb. In den vergangenen Jahren sorgten mehrere Fälle für Aufmerksamkeit, bei denen Ärzt:innen Menschen beim Suizid unterstützt haben. Besonders kontrovers diskutiert wurde der Fall einer 40-jährigen Frau mit Depressionen. Hier stellt sich die Frage der Freiverantwortlichkeit besonders deutlich. Grundsätzlich gilt: Suizid ist in Deutschland nicht strafbar – und damit auch die Beihilfe nicht. Juristisch entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Selbsttötung und Fremdtötung. Laura berichtet aus ihrer Erfahrung in der Palliativmedizin. Dort gehe es darum, Menschen am Lebensende zu begleiten und Leiden zu lindern. Für sie gibt es Situationen, in denen ein selbstbestimmtes Sterben nachvollziehbar erscheint – etwa bei schweren, unheilbaren Erkrankungen mit absehbarem tödlichem Verlauf. Eine Depression zählt für sie jedoch nicht dazu. In der gesellschaftlichen Debatte taucht häufig das sogenannte Dammbruch-Argument auf: Die Sorge, ältere Menschen könnten sich unter gesellschaftlichem Druck eher für einen assistierten Suizid entscheiden. Gleichzeitig erleben Ärzt:innen immer wieder, dass Entscheidungen am Lebensende später juristisch hinterfragt werden. Das führt zu großer Unsicherheit im Umgang mit Patient:innen. Hendrik erläutert deshalb die Unterschiede zwischen direkter und indirekter Sterbehilfe anhand konkreter Beispiele. Laura beschreibt außerdem die Realität der Notfallmedizin. Dort werde oft eine Maximaltherapie fortgeführt, weil die Behandlung bereits begonnen wurde und anschließend jede Komplikation weiter therapiert wird. Angehörige seien mit solchen Situationen häufig überfordert. In diesem Zusammenhang sprechen die beiden über Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Hendrik erklärt die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen dieser Instrumente. Neben professionellen Betreuern können auch Angehörige bevollmächtigt werden. Für Laura ist entscheidend, dass es eine Person gibt, die den eigenen Willen zuverlässig vertreten kann. Konflikte innerhalb von Familien entstehen dabei nicht selten – insbesondere, wenn finanzielle oder erbrechtliche Fragen eine Rolle spielen. Außerdem diskutieren die beiden die Strafnorm zur Tötung auf Verlangen. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Menschen körperlich nicht mehr in der Lage sind, die letzte Handlung selbst vorzunehmen und dadurch auf Unterstützung angewiesen wären. Laura erzählt in diesem Zusammenhang von einer 103-jährigen Patientin, der sie aus moralischen und juristischen Gründen kein weiteres Leiden ersparen konnte. Abschließend geht es auch um Sterbehilfeorganisationen. Diese schaffen bestimmte prozedurale Voraussetzungen, organisieren psychiatrische Begutachtungen und können Menschen beim assistierten Suizid begleiten. Zum Kurs für PAs und PCM: https://bryght.social/shop/790 Zur Communtiy für PAs und PCM: https://bryght.social/communities/physician-assistants-by-laura-dalhaus/memberships Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Das GKV-Stabilisierungsgesetz wurde inzwischen im Kabinett verabschiedet – der Unmut darüber ist allerdings enorm. Dr. Laura Dalhaus ordnet deshalb ein, was in den vergangenen Wochen gesundheitspolitisch passiert ist. Die Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem wächst weiter: Mittlerweile ist jede dritte Person unzufrieden. Selbst Gesundheitsministerin Nina Warken hätte sich offenbar eine andere Lösung gewünscht. Gleichzeitig zieht sich der Bund zunehmend aus der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung zurück. Der Bundeszuschuss soll von 14,5 auf 12,5 Milliarden Euro gekürzt werden. Für Laura wirkt vieles überhastet. Hauptsache, es werden schnell Ergebnisse präsentiert – auch wenn dabei der Eindruck entsteht, dass die Form wichtiger ist als der Inhalt. Zusätzliche Zweifel kommen durch Berechnungen des Handelsblatts auf, die Warken’s Sparpläne kritisch hinterfragen. Ein zentrales Thema bleibt die Finanzierung der Krankenversicherungsbeiträge für Bürgergeldempfänger. Derzeit tragen ausschließlich die gesetzlich Versicherten diese Kosten, während Privatversicherte und Beamte außen vor bleiben. Gleichzeitig wird auch die Pharma-Industrie kaum an den Sparmaßnahmen beteiligt. Laura erklärt die Preisproblematik am Beispiel von Jardiance, einem SGLT2-Hemmer, der mittlerweile auch bei Nierenschwäche eingesetzt wird – und plötzlich ein Vielfaches kostet. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. In diesem Bereich wird immer stärker gekürzt, etwa durch die Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik für suchtkranke Jugendliche. Laura warnt: Wenn der ambulante Sektor weiter geschwächt wird, wird auch die Ambulantisierung scheitern – obwohl mehr als die Hälfte der derzeit stationären Behandlungen ambulant möglich wären. Gleichzeitig erwartet sie eine zunehmende Abwanderung von Gutverdienenden in die private Krankenversicherung, da diese Gruppe künftig noch stärker belastet werden soll. Die Finanzkommission Gesundheit hat inzwischen einen Notfallplan vorgeschlagen, zu dem auch eine Zuckersteuer gehört. Diese findet sich tatsächlich im neuen Gesetzesentwurf wieder – allerdings erst ab 2028. Die Realität der Versorgung bleibt dennoch alarmierend. Ärzteverbänden wird zwar vorgeworfen, zu dramatisch zu kommunizieren, gleichzeitig fordern die Krankenkassen verpflichtende Terminpools für Fachärzt:innen. Parallel sollen große Teile der Einsatzzentralen in NRW geschlossen werden, was Hendrik Wüst bereits als Erpressungsversuch bezeichnet hat. Für besonders widersprüchlich hält Laura die Diskussion um die Vorstandsgehälter der Krankenkassen. Eine Deckelung wird als Eingriff in die Selbstverwaltung abgelehnt – während selbstständige Ärzt:innen gleichzeitig immer stärkeren Begrenzungen unterliegen. Auch die Struktur der Krankenkassen hinterfragt sie kritisch. Deutschland habe aus ihrer Sicht zu viele Krankenkassen, während Digitalisierung und KI deutlich stärker genutzt werden könnten. Laura verweist außerdem auf die Bedeutung der HZV-Versorgung: In Deutschland gibt es rund 11 Millionen HZV-Versicherte in einem freiwilligen Primärarztsystem. Wissenschaftliche Daten zeigen, dass breit aufgestellte Praxen nach diesem Modell die Versorgung verbessern. Dass Krankenkassen dieses System teilweise blockieren, hält sie für scheinheilig. Ein weiteres großes Thema ist die Notfallreform. Ärzt:innen sollen künftig rund um die Uhr Notdienstangebote bereitstellen und gleichzeitig ihre regulären Praxen betreiben. Für Laura ist völlig unklar, wie das personell funktionieren soll. Statt Entlastung könnten die Notaufnahmen dadurch sogar noch stärker belastet werden. Die Folgen zeigen sich bereits: Fast jede zweite Praxis in Berlin denkt über eine vorzeitige Praxisabgabe nach, jede zehnte Praxis plant diesen Schritt konkret. Gerade in Großstädten verschärft der Personalmangel die Situation zusätzlich – auch weil Krankenkassen um MFA konkurrieren und bessere Arbeitsbedingungen bieten können. Für Laura steht fest: Wer Gesundheitspolitik macht, ohne die Aus- und Weiterbildung von Healthcare Professionals mitzudenken, gefährdet langfristig die Versorgung. Zum Kurs für PAs und PCM: https://bryght.social/shop/790 Zur Communtiy für PAs und PCM: https://bryght.social/communities/physician-assistants-by-laura-dalhaus/memberships Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Mit Moritz Völker gab es bereits eine Folge, in der Dr. Laura Dalhaus mit ihm über seine Tätigkeit als Notarzt gesprochen hat. In dieser Episode diskutieren die beiden nun über Medizin am Lebensende. Laura hat kürzlich die Fortbildung zur Palliativmedizin absolviert, gemeinsam mit vielen Notärzt:innen. Denn auf Intensivstationen gehört der Umgang mit Sterben und Tod zum Alltag. In nahezu jeder Schicht gibt es Patient:innen, bei denen das Lebensende absehbar ist. Auch Moritz beschäftigt sich deshalb intensiv mit diesem Thema. In ihrer hausärztlichen Tätigkeit erlebt Laura ebenfalls regelmäßig, wie wenig sich viele Menschen mit dem Sterben auseinandersetzen, selbst im hohen Alter. Gespräche darüber finden in Familien oft kaum statt. Dabei geht es auch um die Frage, was Überleben nach einer schweren Erkrankung eigentlich bedeutet. Viele Menschen bereiten sich darauf nicht vor, gesellschaftlich wird das Thema selten offen diskutiert. Obwohl die meisten zuhause sterben möchten, versterben 50 bis 70 Prozent der Menschen im Krankenhaus – häufig intubiert und fern eines natürlichen Sterbeprozesses. Laura hält realistische Erwartungshaltungen deshalb für essenziell. In der Gesellschaft fehle oft die Akzeptanz dafür, dass Gesundheit im Alter Grenzen hat. Gleichzeitig ermöglicht die High-End-Medizin heute vieles, was früher unmöglich gewesen wäre. Für sich selbst sagt Laura jedoch klar, dass sie eher auf Lebensjahre verzichten würde, als dauerhaft schwer krank zu sein. Ein weiterer Punkt, über den wir dringend sprechen müssen: Ressourcen sind begrenzt. Die letzten Lebensjahre verursachen die höchsten Kosten im Gesundheitssystem. Daraus ergibt sich eine große ethische Frage: Wie viel wollen und können wir als Gesellschaft finanzieren – insbesondere, wenn viele Menschen eigentlich zuhause sterben möchten? Laura wünscht sich deshalb auch im stationären Bereich eine übergreifende Steuerung, ähnlich einem Primärarztsystem. Sie beschreibt das wie einen Bauleiter, der den Gesamtüberblick behält und medizinische, soziale sowie ethische Aspekte zusammenführt. Für Moritz ist genau das eine ärztliche Aufgabe, die Erfahrung voraussetzt. Kritisch sieht Moritz außerdem die durch amerikanische Medien geprägte Angst vor Klagen. Ärzt:innen bräuchten mehr Rechtssicherheit, um ethisch sauber entscheiden zu können, statt sich ausschließlich an Absicherungslogik und Checklisten zu orientieren. Auch das Thema Sterbehilfe sprechen die beiden offen an. Das Bundesverfassungsgericht hat der Politik bereits 2020 den Auftrag gegeben, sich damit auseinanderzusetzen – passiert ist bislang wenig. Laura betont, dass sie selbst entscheiden möchte, wann ihr Leben endet. Auch Moritz hält Selbstbestimmung bis zuletzt für wichtig. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Menschen selbst nicht mehr entscheidungsfähig sind. In diesem Zusammenhang äußert er deutliche Kritik an Berufsbetreuern. Sterben gehört zum Leben dazu. Palliativmedizin kann viel leisten, aber nicht alles auffangen. Eigentlich ist sie darauf ausgelegt, Menschen über einen längeren Zeitraum zu begleiten – mit Symptomkontrolle, Unterstützung und möglichst viel Lebensqualität, wenn Heilung nicht mehr möglich ist. Laura weist jedoch darauf hin, dass auch hier Abrechnungsstrukturen eine wichtige Rolle spielen. Ausgangspunkt der Diskussion war außerdem eine Aussage von Hendrik Streeck über die hohen Medikamentenkosten seines Vaters am Lebensende. Für Moritz zeigt sich darin die grundlegende Debatte zwischen Ethik und Ökonomie. Während wir solidarisch sein wollen, geraten gleichzeitig andere Gruppen – insbesondere Kinder und Jugendliche – ins Hintertreffen. Eine Rationalisierung findet bereits statt. Vielleicht auch deshalb, weil Kinder keine relevante Wählergruppe darstellen. Für beide ist klar: Nur weil diese Diskussion schwierig ist, dürfen wir ihr nicht ausweichen. Deshalb appellieren sie am Ende eindringlich: Eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung sollten Teil der Gespräche zuhause sein. Zu Moritz auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-med-moritz-voelker/ Zum Kurs für PAs und PCM: https://bryght.social/shop/790 Zur Communtiy für PAs und PCM: https://bryght.social/communities/physician-assistants-by-laura-dalhaus/memberships Folg Laura auch hier: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/ Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/ TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus oder https://buymeacoffee.com/lauradalhaus Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
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